Was umfasst die Leistung?
Die Allgemeinuntersuchung ist der Ausgangspunkt jeder tierärztlichen Betreuung – beim kranken Tier ebenso wie bei der jährlichen Vorsorge. Sie folgt einem festen Schema, damit nichts übersehen wird, und wird auf das einzelne Tier abgestimmt.
Dazu gehören in der Regel:
- Vorbericht (Anamnese): Wie frisst und trinkt Ihr Tier? Haben sich Kot- oder Harnabsatz, Bewegungsfreude, Schlaf oder Verhalten verändert? Welche Medikamente, Futtermittel und Ergänzungen bekommt es?
- Körperliche Untersuchung: Abhören von Herz und Lunge, Puls, Körpertemperatur, Farbe der Schleimhäute, Tasten der Lymphknoten und des Bauchraums, Kontrolle von Augen, Ohren, Maulhöhle und Zähnen, Haut und Fell, Krallen sowie des Bewegungsapparats.
- Gewicht und Körperkondition: Die Leitlinien der WSAVA empfehlen, bei jeder Untersuchung Körperkondition und Muskelmasse zu beurteilen und die Fütterung zu besprechen.
- Vorsorgeplanung: Impfungen, Parasitenschutz und Zahnpflege werden auf Lebensweise und Alter abgestimmt.
Wann ist eine Routineuntersuchung sinnvoll?
Die Leitlinien der AAHA für Hunde und der AAHA/AAFP für Katzen empfehlen mindestens eine Vorsorgeuntersuchung im Jahr, für ältere Tiere häufiger. Die WSAVA betont, dass dieser jährliche Gesundheitscheck auch dann sinnvoll ist, wenn nicht jedes Jahr eine Impfung fällig ist.
Besondere Anlässe für eine Untersuchung sind außerdem:
- der Einzug eines neuen Tieres – auch eines erwachsenen aus dem Tierschutz,
- die Zeit vor einer geplanten Narkose oder Operation,
- Kontrollen bei bekannten chronischen Erkrankungen oder Dauermedikation,
- vor Reisen, einer Tierpension oder einer geplanten Zucht.
In welchen Situationen sollten Sie uns ansprechen?
Vereinbaren Sie einen Termin, wenn Ihnen Veränderungen auffallen, die über einige Tage bestehen oder zunehmen, zum Beispiel:
- verändertes Fress- oder Trinkverhalten, Gewichtszunahme oder -verlust,
- Husten, Niesen, Augen- oder Nasenausfluss,
- häufiges Kratzen, Kopfschütteln, Haarausfall oder Hautveränderungen,
- Mundgeruch, Speicheln oder Probleme beim Kauen,
- Lahmheit, Steifheit oder Unlust, Treppen zu steigen oder zu springen,
- Erbrechen oder Durchfall, der nicht rasch abklingt,
- Verhaltensänderungen wie Rückzug, Unruhe oder Unsauberkeit.
Katzen zeigen nach den Leitlinien der AAHA/AAFP Krankheit oft erst spät. Gewichtsverlauf und Verhaltensänderungen sind bei ihnen wichtige frühe Hinweise.
So läuft die Untersuchung ab
- Gespräch: Wir fragen nach Vorgeschichte, Haltung, Fütterung und Ihren Beobachtungen.
- Untersuchung: Wir untersuchen in ruhiger Umgebung und nehmen uns Zeit, damit das Tier sich an die Situation gewöhnen kann. Für Katzen empfehlen die Leitlinien der AAFP/ISFM einen auf das einzelne Tier abgestimmten, behutsamen Umgang – das verringert Stress und macht Befunde verlässlicher.
- Befundbesprechung: Sie erfahren, was wir festgestellt haben und was es bedeutet.
- Weiteres Vorgehen: Falls nötig, schlagen wir weiterführende Untersuchungen vor, etwa Blut- oder Harnuntersuchung, Röntgen oder Ultraschall, und erklären, welche Frage damit beantwortet werden soll.
- Dokumentation: Befunde, Gewicht und Empfehlungen werden festgehalten, damit spätere Untersuchungen verglichen werden können.
Möglichkeiten und Grenzen
Eine sorgfältige Allgemeinuntersuchung liefert viele Hinweise und erlaubt in vielen Fällen schon eine Einschätzung. Manche Erkrankungen lassen sich aber von außen nicht erkennen – etwa frühe Veränderungen an Nieren oder Schilddrüse oder Vorgänge im Bauchraum. Dann sind gezielte Zusatzuntersuchungen nötig.
Umgekehrt ist nicht jede Zusatzuntersuchung bei jedem Tier sinnvoll. Wir empfehlen weiterführende Diagnostik dann, wenn ihr Ergebnis die Behandlung oder Vorsorge tatsächlich beeinflusst. Eine Untersuchung ist immer eine Momentaufnahme: Verändert sich der Zustand Ihres Tieres danach, sollte es erneut angesehen werden.
Wann ist rasche tierärztliche Hilfe nötig?
Warten Sie nicht auf einen Routinetermin, sondern suchen Sie sofort tierärztliche Hilfe, wenn Ihr Tier Atemnot hat, zusammenbricht, sehr blasse, bläuliche oder gelbliche Schleimhäute zeigt, stark blutet, wiederholt erbricht, einen aufgeblähten Bauch hat, krampft oder keinen Harn absetzen kann. Gleiches gilt bei Verdacht auf eine Vergiftung oder nach einem Unfall. Bei Kaninchen und Meerschweinchen ist es ein Notfall, wenn sie nicht mehr fressen oder keinen Kot mehr absetzen.
Häufige Fragen
Wie oft sollte mein gesundes Tier untersucht werden?
Ich empfehle für Hunde und Katzen mindestens eine Vorsorgeuntersuchung pro Jahr. Bei älteren Tieren oder bei bekannten Erkrankungen sind kürzere Abstände sinnvoll. Das passende Intervall besprechen wir individuell.
Mein Tier wirkt völlig gesund – lohnt sich die Untersuchung trotzdem?
Ja. Viele Erkrankungen, etwa Zahnprobleme, Herzgeräusche oder ein schleichender Gewichtsverlust, fallen im Alltag lange nicht auf. Gerade Katzen zeigen Krankheit oft erst spät. Ein Vergleich mit früheren Befunden macht Veränderungen sichtbar.
Was soll ich zum Termin mitbringen?
Hilfreich sind der Impfpass bzw. EU-Heimtierausweis, Unterlagen früherer Behandlungen und die Namen aller Medikamente und Ergänzungsfuttermittel, die Ihr Tier bekommt. Notieren Sie sich vorab Beobachtungen und Fragen. Katzen und kleine Heimtiere transportieren Sie am besten in einer sicheren Transportbox.
Wird bei jeder Routineuntersuchung Blut abgenommen?
Nein. Ob Blut-, Harn- oder Kotuntersuchungen sinnvoll sind, hängt von Alter, Vorgeschichte und Befund ab. Wir erklären Ihnen, wann eine weiterführende Untersuchung Aussagekraft hat und wann nicht.