Was umfasst die Leistung?
Viele Krankheitsursachen sind mit freiem Auge nicht zu erkennen: Wurmeier, Milben, Hefepilze, Bakterien, Kristalle oder veränderte Zellen. Unter dem Mikroskop werden sie sichtbar. Ein Teil dieser Untersuchungen lässt sich direkt in der Praxis durchführen, sodass ein erster Befund oft noch während des Besuchs vorliegt und die Behandlung gezielt beginnen kann.
Zu den wichtigsten mikroskopischen Untersuchungen gehören:
- Kotuntersuchung: Nachweis von Wurmeiern und einzelligen Darmparasiten wie Giardien. Kotuntersuchungen sind auch eine Alternative zur routinemäßigen Entwurmung ohne Befund.
- Hautgeschabsel und Klebestreifenabklatsch: Mit einem Spatel oder Klebestreifen werden Hautschuppen und Haare gewonnen. Tiefe Geschabsel oder ausgezupfte Haare zeigen Demodex-Milben, oberflächliche Proben und Klebestreifen etwa Sarcoptes- oder Cheyletiella-Milben.
- Ohrabstrich: Ein gefärbter Abstrich aus dem Gehörgang zeigt, ob Hefepilze (Malassezien), kugelförmige oder stäbchenförmige Bakterien und Entzündungszellen vorhanden sind. Ohrmilben werden in einem Tropfen Öl unter dem Mikroskop gesucht.
- Harnsediment: Der zentrifugierte Harn wird auf rote und weiße Blutkörperchen, Zellen, Zylinder, Bakterien und Kristalle untersucht.
- Blutausstrich: Im gefärbten Ausstrich lassen sich Blutparasiten wie Babesien nachweisen, vor allem in der akuten Erkrankungsphase.
- Zellprobe (Zytologie): Mit einer dünnen Nadel werden Zellen aus einem Knoten, einer Schwellung oder einem vergrößerten Lymphknoten entnommen (Feinnadelaspiration), auf einen Objektträger gebracht und gefärbt.
Wann ist eine mikroskopische Untersuchung sinnvoll?
Die Mikroskopie ist Teil der Abklärung vieler alltäglicher Beschwerden – von Durchfall über Juckreiz und Ohrenentzündung bis zu Harnwegsproblemen. Sie hilft, zwischen verschiedenen Ursachen zu unterscheiden, und damit, ein passendes Medikament auszuwählen: Ein Ohr mit Hefepilzen wird anders behandelt als eines mit Stäbchenbakterien. Auch im Rahmen der Parasitenvorsorge sind regelmäßige Kotuntersuchungen eine Möglichkeit, den Behandlungsbedarf festzustellen.
In welchen Situationen sollten Sie uns ansprechen?
- Ihr Tier hat Durchfall, Blut oder Schleim im Kot oder magert ab.
- Es kratzt oder leckt sich auffällig, verliert Fell oder hat Schuppen und Krusten.
- Es schüttelt den Kopf, kratzt sich an den Ohren oder die Ohren riechen unangenehm.
- Es setzt häufig kleine Mengen Harn ab, presst oder der Harn ist rötlich verfärbt.
- Sie ertasten einen neuen Knoten oder eine Schwellung unter der Haut.
So läuft die Untersuchung ab
- Probengewinnung: Je nach Fragestellung bringen Sie eine Kot- oder Harnprobe mit, oder wir entnehmen die Probe in der Praxis – etwa einen Ohrabstrich vor dem Reinigen des Ohrs, ein Hautgeschabsel oder eine Feinnadelprobe. Die meisten Entnahmen sind kurz und kaum belastend. Bei sehr schmerzhaften Ohren kann eine Sedierung nötig sein.
- Aufbereitung: Kot wird mit einer speziellen Lösung aufbereitet, Harn zentrifugiert, Ausstriche werden getrocknet und gefärbt.
- Mikroskopie: Die Probe wird bei verschiedenen Vergrößerungen durchgesehen.
- Befund und Plan: Wir besprechen das Ergebnis mit Ihnen und legen die weitere Behandlung oder Abklärung fest.
Frische zählt: Harn sollte möglichst innerhalb von 30 Minuten untersucht werden, weil sich bei längerer Lagerung Kristalle bilden können, die im Körper gar nicht vorhanden waren. Kotproben sollten frisch sein und, wenn sie nicht rasch abgegeben werden, gekühlt aufbewahrt werden.
Möglichkeiten und Grenzen
Die Mikroskopie liefert schnell wertvolle Hinweise, hat aber Grenzen. Ein negatives Ergebnis schließt eine Erkrankung nicht sicher aus: Parasiten werden unregelmäßig ausgeschieden, Milben sitzen nicht überall in der Haut, und eine Zellprobe kann knapp neben der Veränderung liegen. Kristalle im Harn sind nicht gleichbedeutend mit Harnsteinen und nicht immer krankhaft.
Die Zytologie unterscheidet häufig zwischen Entzündung und Tumor, kann aber den Gewebeaufbau, das Einwachsen in Gefäße und den Tumorgrad nicht beurteilen. Bei vielen Tumorarten lässt sich gutartig und bösartig zytologisch nicht sicher unterscheiden. Dafür ist eine Gewebeprobe (Biopsie) nötig, die in einem externen Fachlabor histologisch untersucht wird. Auch bakterielle Kulturen mit Resistenztest, spezielle Färbungen oder Gentests auf Erreger werden in Fachlaboren durchgeführt. Wir versenden die Proben und besprechen die Ergebnisse mit Ihnen.
Wann ist rasche tierärztliche Hilfe nötig?
Bringen Sie Ihr Tier sofort, wenn es blutigen Durchfall hat und dabei matt wirkt, wiederholt erbricht oder wenn es presst, aber keinen Harn absetzen kann. Ein Verschluss der Harnröhre ist lebensbedrohlich und kann nicht bis zu einer Laboruntersuchung warten. Einen neu entdeckten oder sich verändernden Knoten lassen Sie bitte zeitnah untersuchen.
Häufige Fragen
Wie bringe ich eine Kotprobe richtig mit?
Die Probe sollte möglichst frisch sein. Sammeln Sie beim Hund den Kot direkt nach dem Absetzen, bei der Katze nach dem nächsten Besuch einer gereinigten Toilette. Kann die Probe nicht innerhalb von etwa zwei Stunden untersucht werden, bewahren Sie sie gut verschlossen im Kühlschrank auf. Weil Parasiten nicht täglich ausgeschieden werden, ist eine Sammelprobe von drei Tagen oft aussagekräftiger.
Mein Tier kratzt sich, aber im Hautgeschabsel wurde nichts gefunden. Ist es dann keine Räude?
Nicht unbedingt. Sarcoptes-Milben sind oft schwer zu finden, und negative Geschabsel sind bei dieser Räudeform häufig. Bei begründetem Verdacht kann ein Behandlungsversuch sinnvoll sein. Wie wir vorgehen, besprechen wir nach der Untersuchung.
Ersetzt eine Feinnadelprobe die Gewebeuntersuchung im Labor?
Nein. Die Zellprobe gibt rasch eine erste Orientierung, etwa ob eine Entzündung oder ein Tumor vorliegt. Gewebeaufbau, Bösartigkeit und Tumorgrad lassen sich aber oft nur an einer Gewebeprobe beurteilen, die ein Fachlabor histologisch untersucht. Vor größeren Eingriffen oder bei unklarem Befund empfehlen wir diese Untersuchung.