Was umfasst die Leistung?
Erkrankungen des Zahnhalteapparats (Parodontalerkrankungen) gehören zu den häufigsten Erkrankungen bei Hunden und Katzen. Sie beginnen mit Zahnbelag (Plaque), einem Film aus Bakterien, der sich ständig auf den Zähnen bildet. Das Immunsystem reagiert mit einer Entzündung des Zahnfleischs. Bleibt der Belag, verfestigt er sich zu Zahnstein, und die Entzündung greift auf den Halteapparat über: Es entstehen Zahnfleischtaschen, der Kieferknochen wird abgebaut, Zähne lockern sich und gehen verloren. Diese Form nennt man Parodontitis.
Eine Zahnsanierung umfasst bei uns:
- Untersuchung der Maulhöhle Zahn für Zahn, einschließlich Messung der Zahnfleischtaschen.
- Zahnsteinentfernung auf der Krone und – besonders wichtig – unter dem Zahnfleischrand.
- Politur der Zahnoberflächen, damit sich neuer Belag schlechter anheftet.
- Behandlung erkrankter Zähne, wenn nötig bis zur Entfernung von Zähnen, die nicht mehr erhalten werden können.
- Beratung zur Zahnpflege zu Hause.
Ein besonderes Problem bei Katzen sind Zahnresorptionen, früher FORL (feline odontoklastische resorptive Läsionen) genannt. Dabei bauen körpereigene Zellen die Zahnsubstanz ab, oft am Übergang von Zahn zu Zahnfleisch. Zahnresorptionen sind bei Katzen häufig, schmerzhaft und eine wichtige Ursache für Zahnverlust; ältere und Rassekatzen sind öfter betroffen. Ihre Ursache ist unbekannt, vorbeugen lässt sich nicht. Betroffene Zähne werden in der Regel gezogen.
Wann ist eine Zahnsanierung sinnvoll?
Die Zähne werden bei jeder Vorsorgeuntersuchung beurteilt. Eine Behandlung in Narkose empfehlen wir, wenn sich Zahnstein gebildet hat, das Zahnfleisch entzündet ist oder Hinweise auf erkrankte Zähne bestehen. Je früher behandelt wird, desto eher lassen sich Zähne erhalten. Bei kleinen Hunden und kurzköpfigen Rassen ist die Zahnvorsorge in der Regel aufwendiger als bei großen Hunden. Die amerikanischen Zahnleitlinien empfehlen eine erste vollständige Zahnreinigung mit Befunderhebung bei Katzen sowie kleinen und mittelgroßen Hunden bis zum ersten, bei großen Hunden bis zum zweiten Lebensjahr. Den richtigen Zeitpunkt legen wir für Ihr Tier individuell fest.
In welchen Situationen sollten Sie uns ansprechen?
- Ihr Tier riecht deutlich aus dem Maul.
- Sie sehen gelblich-braune Beläge an den Zähnen.
- Das Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen oder blutet.
- Ihr Tier kaut einseitig, lässt Futter fallen, speichelt oder meidet hartes Futter.
- Ein Zahn ist locker, abgebrochen oder verfärbt.
- Ihre Katze schmatzt, zuckt beim Fressen mit dem Kiefer oder reibt sich mit der Pfote am Maul.
So läuft die Zahnsanierung ab
- Voruntersuchung: Wir untersuchen Ihr Tier und schätzen das Narkoserisiko ein; je nach Alter und Befund werden Blutwerte bestimmt.
- Narkose mit Intubation: Ein Tubus in der Luftröhre sichert die Atemwege während der gesamten Behandlung. Die Leitlinien für Zahnbehandlungen und Narkose sehen dies für jede Zahnreinigung ausdrücklich vor.
- Befunderhebung: Jeder Zahn wird untersucht, die Zahnfleischtaschen werden gemessen. Die Leitlinien empfehlen Röntgenaufnahmen aller Zähne, weil sich ein großer Teil der Erkrankung unterhalb des Zahnfleischs abspielt. Bei Zahnresorptionen bestimmt erst das Röntgenbild Art und Stadium.
- Reinigung und Politur über und unter dem Zahnfleischrand.
- Behandlung: Zähne, die nicht erhalten werden können, werden entfernt. Schmerzmittel gehören zu jeder Zahnbehandlung.
- Aufwachphase und Heimgabe: Ihr Tier wird überwacht, bis es wach und stabil ist. Sie erhalten Hinweise zu Fütterung, Schmerzmitteln und einem Kontrolltermin.
Möglichkeiten und Grenzen
Eine professionelle Zahnreinigung entfernt Zahnstein und Belag und stoppt das Fortschreiten der Entzündung. Bereits verlorener Kieferknochen wächst jedoch nicht nach. Ohne Pflege zu Hause bildet sich neuer Belag rasch wieder.
Die wirksamste häusliche Maßnahme ist das tägliche Zähneputzen mit einer weichen Bürste und einer Tierzahnpasta. Gewöhnen Sie Ihr Tier schrittweise daran, am besten schon im jungen Alter. Wenn Putzen nicht möglich ist, kann das Abwischen der Zähne mit einer Mullkompresse zumindest jeden zweiten Tag eine Alternative sein. Zahnstein lässt sich durch Putzen nicht entfernen – dafür ist die Behandlung in Narkose nötig.
Eine Zahnsteinentfernung ohne Narkose halten die Leitlinien für ungeeignet: Sie reinigt nur die sichtbaren Flächen, bedeutet Stress und Verletzungsgefahr für das Tier, birgt das Risiko, dass Material eingeatmet wird, und lässt keine gründliche Untersuchung zu. Das Ergebnis ist rein kosmetisch. Aufwendige zahnerhaltende Behandlungen wie Wurzelbehandlungen führen spezialisierte Zahntierärztinnen und Zahntierärzte durch; bei Bedarf überweisen wir Sie dorthin.
Wann ist rasche tierärztliche Hilfe nötig?
Kommen Sie zeitnah, wenn Ihr Tier plötzlich nicht mehr fressen will, stark speichelt, eine Schwellung im Gesicht oder unter dem Auge hat oder ein Zahn abgebrochen ist und das Zahninnere freiliegt. Bei Fieber, Mattigkeit oder Blut aus Maul oder Nase ist eine sofortige tierärztliche Abklärung nötig.
Häufige Fragen
Warum ist für die Zahnreinigung eine Narkose nötig?
Zahnstein sitzt nicht nur sichtbar auf der Zahnkrone, sondern vor allem unter dem Zahnfleischrand, wo die Entzündung entsteht. Diese Bereiche lassen sich nur gründlich und schmerzfrei reinigen, wenn das Tier in Narkose liegt und die Atemwege mit einem Tubus geschützt sind. Die Leitlinien halten eine Zahnsteinentfernung ohne Narkose deshalb für ungeeignet.
Hat meine Katze Zahnschmerzen, obwohl sie normal frisst?
Das ist möglich. Katzen zeigen Schmerzen und Krankheit oft erst spät. Zahnresorptionen (FORL) sind bei Katzen häufig und schmerzhaft, aber von außen oft kaum zu sehen. Bei der jährlichen Untersuchung achten wir deshalb besonders auf die Zähne.
Kann ich Zahnstein mit der Zahnbürste entfernen?
Nein. Bereits festgewordener Zahnstein lässt sich durch Putzen nicht entfernen. Tägliches Zähneputzen verhindert aber, dass sich neuer Belag zu Zahnstein verfestigt, und ist die wirksamste Vorbeugung zu Hause.
Muss bei der Zahnsanierung ein Zahn gezogen werden?
Nur wenn er nicht mehr erhalten werden kann, etwa bei stark gelockerten Zähnen, tiefem Knochenabbau oder Zahnresorption. Ein erkrankter Zahn verursacht Schmerzen und unterhält die Entzündung. Ob ein Zahn entfernt werden muss, zeigt sich oft erst bei der Untersuchung in Narkose; wir besprechen mit Ihnen vorab, wie wir in diesem Fall vorgehen.